DIE UNVERHEIRATETE

von Ewald Palmetshofer

neueste österreichische Dramatik

 

Dauer: bis ca. 21.15 Uhr ohne Pause

 

Matinee: So 4. März 2018, 11.00 Uhr, T-Café, Eintritt frei

Premiere: Sa 10. März 2018, 19.30 Uhr, Grosses Haus

 

Weitere Aufführungen: Do 15.3. / Di 20.3. / So 25.3. / Sa 7.4. / Fr 13.4. / Mi 18.4., jeweils 19.30 Uhr, Grosses Haus

Stückeinführungen: Do 15.3. / Di 20.3. / So 25.3. / Sa 7.4. / Fr 13.4. / Mi 18.4., jeweils 19.00 Uhr, Grosses Haus, Eintritt frei

 

Abo, Freier Verkauf, Preisklasse I

 

Rahmenprogramm:
Ewald Palmetshofers Stück DIE UNVERHEIRATETE behandelt die Zeit der letzten Tage der NS-Diktatur und die Monate danach. Der komplexe Text beruht auf der Recherche zu einem realen Denunziationsfall, von dem aus sich der 1978 in Linz geborene Dramatiker auf die Suche nach den letzten Zeugen, nach Täterinnen aus der Generation seiner Großmutter machte. Die Geschichte erzählt, wie eine kopflose Tat drei Generationen an Frauenleben vergiftet und sich Liebe, Schuld und Verdrängung in eine Familie einschreiben. Zu diesem Themenkomplex laden wir Sie ein, mit uns und Experten ins Gespräch zu kommen. Sowohl bei unseren Stückeinführungen um 19.00 Uhr als auch im Anschluss an ausgewählte Vorstellungen werden sich Gäste zu Stück und Inszenierung aus ihrer Expertensicht äußern.

Experteneinführungen jeweils um 19.00 Uhr, Grosses Haus, Eintritt frei

Publikumsgespräche mit Experten, Regisseur und Schauspielerinnen jeweils im Anschluss an die Vorstellung, T-Café, Eintritt frei.

 

Di 20. März: Prof. Dr. Helga Kohler-Spiegel, Hochschulprofessorin, Psychotherapeutin, Traumaspezialistin, Supervisorin und Coach zum Thema "Die Last des Schweigens" oder "Das weitergegebene Trauma" und Dr. Renate Huber, Historikerin, Kulturwissenschaftlerin, Universitätslektorin, Coach, begleitet Veränderungs- und Entwicklungsprojekte zum Thema "Erinnerungsschleusen und Erfahrungsschichten"

So 25. März: Winfried Ender, Leiter von NEUSTART Vorarlberg zum Thema "Strafe muss sein! Muss Strafe sein? - Sozialkonstruktiver Umgang mit Straffälligkeit" und Oberstleutnant Simon Zangerl, Stellvertretender Anstaltsleiter der Justizanstalt Feldkirch zum Thema "Haft: Alltag aber nicht alltäglich"

Sa 7. April: Mag. Dr. Cornelia Leitner, Anstaltsleiterin der Justizanstalt Feldkirch zum Thema "Haft: Alltag aber nicht alltäglich"

Fr 13. April: Dr. Harald Walser, Historiker und ehemaliger Abgeordneter zum Nationalrat (Die Grünen) zum Thema "Denunziation, Gehorsam, Traumatisierung"

 

 

Besetzung

Tickets



„Man kann doch nicht vom Krieg die ganze Zeit nur reden. Himmel Herrgott!“ aus DIE UNVERHEIRATETE von Ewald Palmetshofer

 

Im April 1945 ist bereits absehbar, dass der Krieg nur noch wenige Tage dauern wird. Auf dem Postamt belauscht eine junge Frau einen Soldaten, der am Telefon darüber nachdenkt, ob er desertieren soll. Die junge Frau zeigt den Soldaten an, der daraufhin umgehend hingerichtet wird. Nach dem offiziellen Kriegsende muss sich die Denunziantin jetzt selbst vor einem Gericht verantworten. Obwohl sie zu Protokoll gibt, dass sie nur die Wahrheit gesagt habe, wird sie, die keinerlei Reue zeigt, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Siebzig Jahre später ist aus der jungen eine alte Frau geworden, deren Tochter und Enkeltochter nur wenig mit der Geschichte der Mutter und Großmutter anzufangen wissen – und doch sind alle drei Frauen ausweglos verstrickt in ein Netz aus Schuld und Verdrängung.

 

Der Autor Ewald Palmetshofer (*1978) macht sich anhand eines realen Falles auf die Suche nach der Geschichte der Täterinnen in der Generation der Mütter und Großmütter. Nach der Ernennung zum Nachwuchsdramatiker des Jahres 2008 zählt Ewald Palmetshofer zu den erfolgreichsten österreichischen Autoren und gewann 2015 mit seinem Stück DIE UNVERHEIRATETE den Mülheimer Dramatikerpreis.

 

 

PRESSESTIMMEN

Heute vor 80 Jahren fand der Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland statt. Das Vorarlberger Landestheater hat das zum Anlass genommen, ein Stück des österreichischen Dramatikers Ewald Palmetshofer aufzuführen (…)
„Die beeindruckende Leistung der sieben Darstellerinnen erntete gestern zu Recht viel Applaus.“ (Annette Raschner)
ORF 2 Vorarlberg, Vorarlberg heute, 11.3.2018, 19.00 Uhr

(…) es geht ums Erinnern, ums Verschweigen und darum, wie sich alles, was schweigend vergessen werden will, von Generation zu Generation fortpflanzt (…) Ewald Palmetshofer, der für "Die Unverheiratete" u. a. mit dem Mühlheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet wurde, lässt in seinem Stück die Erinnerung auf die Gegenwart los. Die, also die Vergangenheit, nimmt übrigens fabelhaft bedrohlich und unterkühlt in einem Damen-Quartett (Sarah Zaharanski, Bo-Phyllis Strube, Nathalie Thiede, Loretta Pflaum) Gestalt an, das mal Richter, mal Mitgefangene, mal Pflegepersonal ist (…) Maria, (… der) Großmutter (…) verhilft Babett Arens zum großen Auftritt, die die sture, uneinsichtige, bissige Alte in dieser ganzen Vielschichtigkeit zeigt. Ihr gegenüber stehen Lilly Prohaska als deren Tochter und Mara Widmann als Enkelin Ulrike. (…) Beide, (…) sind in ihren Frauenrollen, die kaum unterschiedlicher sein könnten, absolut sehenswert. (…) Das ist auch das große Gütesiegel des Stücks. Es lebt von der klug geführten Regie von Philip Jenkins, von Michel Schaltenbrands Bühnenbild, das auch ganz bildlich im Bodensatz der Vergangenheit gräbt, und vor allem von der schauspielerischen Leistung. Die ist nämlich tadellos. (…) im Vorarlberger Landestheater (…) findet man ein gut gemachtes Stück moderner österreichischer Dramatik, von der man sich in dieser Qualität gerne noch mehr wünschen darf.
Veronika Fehle, Vorarlberger Nachrichten, 12.3.2018

(…) Regisseur und Schauspieler wurden für das gelungene Stück mit Applaus belohnt.
Gelungene Premiere (…) Regisseur Philip Jenkins inszeniert "Die Unverheiratete" von Ewald Palmetshofer am Bregenzer Landestheater (…) mit intelligenter Regie und einem ausgezeichneten Schauspiel … Babett Arens glänzt in der Rolle der Alten namens Maria. (…) Die Junge hat sich vom Dorfleben gelöst, (…) Mit 18 Jahren erfuhr sie die bekannten Fakten von der Mutter, der "Mittleren" (wundervoll bieder von Lilly Prohaska verkörpert). (…) Atmosphäre. Das Geschehen ist gut im Bühnenbild von Michel Schaltenbrand platziert: (…) im Hintergrund ein heruntergekommenes Krankenhaus beziehungsweise Zuchthaus. (…) Der Rhythmus fließt und fügt das Gesagte in ein stimmiges Gesamtbild ein - die Tragödie, ausgelöst durch eine Tat in der Vergangenheit. Diese wird von den vier Hundsmäuligen (Sarah Zaharanski, Bo-Phyllis Strube, Nathalie Thiede, Loretta Pflaum) (…) Sie greifen (…) als Rache-Einheit mehrstimmig ein und verleihen dem Ganzen noch mehr Atmosphäre. (…) Ein Stück zeitgenössisches Theater, das funktioniert.
Lisa Kammann, Neue Vorarlberger Tageszeitung, 13.3.2018

(…) Faszinierende Sogwirkung (…) einmal drinnen, spürt man eine faszinierenden Sogwirkung. Entstehen kann diese selbstverständlich nur dadurch, weil diese Sprache so vermeintlich selbstverständlich von einem glänzenden Frauenensemble verwendet wird. Ein besonderes Gefühl fürs Timing müssen die hundsmäuligen Schwestern aufbringen (…) die Gedanken der drei Frauen (…) nach außen tragen (…) Sara Zaharanski, Bo-Phyllis Strube, Nathalie Thiede und Loretta Pflaum lösen diese Aufgabe mit Bravour.(…) In seinem sprachlich herausragenden Text hat der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer das Psychogramm von drei Generationen von Frauen gezeichnet, deren untrennbares Verbindungsband Schuld heißt. (…) Die Katharsis (…) kann hier nicht einsetzen, weil die Alte (herausragend!: Babett Arens) nicht willens ist, ihre Verfehlungen zuzugeben. (…) Das Premierenpublikum: Es ließ sich vom anspruchsvollen Text, der akribischen Regie und der überzeugenden Leistung der sieben Darstellerinnen (neben Arens sorgten Lilly Prohaska als die Mittlere und Mara Widmannn als die Junge für zahlreiche weitere Höhepunkte) in den spannenden Handlungsstrom rund um Verantwortung, Schuld und Verdrängung ziehen. Kräftiger Applaus!
Annette Raschner, kulturzeitschrift.at, 11.3.2018

 

 

 





Regie: Philip Jenkins

Bühne: Michel Schaltenbrand

Kostüm: Sabine Ebner

Licht: Arndt Rössler
Dramaturgie: Birke Baumann

 

Regieassistenz: Gabriel Wörfel

Ausstattungsassistenz: Lilli Löbl

Inspizienz: Eva Lorünser

 

Die Alte: Babett Arens

Die Mittlere: Lilly Prohaska

Die Junge: Mara Widmann

 

4 Schwestern (die Hundsmäuligen): 

Schwester 1: Sarah Zaharanski

Schwester 2: Bo-Phyllis Strube

Schwester 3: Nathalie Thiede

Schwester 4: Loretta Pflaum