CARL LAMPERT - DAS ERSTE GEBET
Peter Mair, Kirsten Ossoinig | Uraufführung Inszenierung: Hermann Weiskopf
Auch in dieser Spielzeit widmen wir uns wieder einer herausragenden Persönlichkeit der jüngeren Vorarlberger Geschichte – mit einem Stück, dessen Erzählstruktur drei Leben im Gestern und Heute auf schicksalhafte Weise miteinander verknüpft.
Zwei jugendliche Straftäterinnen werden inhaftiert. Ihre Angst und ihre Verzweiflung suchen sie mit einem Podcast über den seligen Priester Carl Lampert zu bekämpfen – und entdecken dabei ein Schicksal, das sie veranlasst, ihr eigenes Leben und Handeln neu zu betrachten. Der 1894 in Göfis geborene Carl Lampert entschied sich früh für das Priestertum. Geschätzt als kluger Denker, Mann des Volkes und treuer Diener Gottes stieg er in der klerikalen Hierarchie schnell auf und wurde schließlich Provikar der Diözese Innsbruck. Doch mit der NS-Herrschaft und dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich begann eine Zeit zunehmender
Bedrohung.
Mit Sorge nahm Lampert wahr, was um ihn herum geschah – die Unterdrückung der Kirche, die Verfolgung von Andersdenkenden. Und er schwieg nicht, sondern bezog Stellung gegen das Regime. Die Gestapo nahm ihn ins Visier, er wurde mehrfach verhaftet. Und man machte ihm Angebote: Seinem Gott entsagen sollte er, ein bürgerliches Leben aufnehmen und Kinder fürs Vaterland zeugen, dann ließe man ihn in Frieden. Lampert blieb unbeugsam. Er wurde nach Dachau deportiert, dann nach Sachsenhausen, wurde zum Spielball der nationalsozialistischen Willkürjustiz. Das Urteil seines Schauprozesses stand von Anfang an fest: Tod durch das Fallbeil.
Am 13. November 1944 wurde Carl Lampert in Halle hingerichtet.
Das Leben des Carl Lampert: Das ist die Geschichte eines Menschen, der sich selbst in höchster Lebensgefahr weigerte, seine Überzeugungen zu verraten. Sie zeigt die innere Zerrissenheit, die Momente des Zweifels, aber auch die Entschlossenheit eines Mannes, der nicht bereit war, Unrecht hinzunehmen. Eine intensive Reflexion über Zivilcourage, Widerstand und die Frage nach moralischer Verantwortung.
Publikumsgespräch: So, 1. März, im Anschluss an die Vorstellung, T-Café (Eintritt frei)
*2:1-Aktion am Sa, 28. Februar - Weil's zu zweit viel schöner ist! Ihre Begleitung hat freien Eintritt
Download: Programmheft (PDF © Julia Benning)
Download: Begleitmaterial (PDF)
Audioeinführung von Juliane Schotte (Dramaturgin)
Inszenierung: Hermann Weiskopf / Bühne und Kostüm: Matthias Strahm / Musik: Oliver Rath / Licht: Simon Tamerl / Dramaturgie: Juliane Schotte
Matineegespräch
Premiere
Vorstellungen
Vormittagsvorstellung
Dauer
2 Stunden, keine PausePressestimmen
"Lampert wird von Nico Raschner verkörpert - kurz gesagt, eine Idealbesetzung! Nicht nur das, er ist Carl Lampert wie aus dem Gesicht geschnitten, nahezu schon unheimlich. Das gesamte Ensemble liefert eine tolle Leistung ab, ob Stefan Pohl als Bruder Julius, oder Chefankläger, Sebastian Reusse als Gauleiter Franz Hofer oder Ing. Hagen, oder Rebecca Hammermüller als "Erzählerin", Wärterin Nora, Schwester Angela und Soldat Hubert. Die Musik von Oliver Rath ist sparsam, aber pointiert
eingesetzt. Die Inszenierung übernahm Hermann Weiskopf, seine erste Regiearbeit am Landestheater. […] Handwerklich gediegen, schnörkellos, und er verleiht der Figur Lamperts Authentizität. Behutsam und mit Gespür verarbeitete er die Szenen, in denen Lampert von den Nazi-Folterknechten schikaniert und "sonderbehandelt" wird. Eine äußerst sehenswerte Aufführung. Viel Premierenapplaus." Thomas Schiretz, VN, 19.1.2026
“Regisseur Weiskopf setzt bei der Nachinszenierung der Geschehnisse auf jeweils kurze Szenen, die durch den Verzicht auf den Effekt und das äußerst konzentrierte Spiel von Nico Raschner in der Titelrolle hohe Qualität erreichen. Sein gemeinsames Agieren mit Stefan Pohl, der sowohl die Rolle von Lamperts besorgtem Bruder Julius als auch seinen Ankläger und den sadistischen KZ-Blockwart Bugdalle zu verkörpern hat, wirkt nach. Erschütternd ist der Auftritt von Rebecca Hammermüller als SA-Mann. […] Die Bühnenpräsenz der Genannten sowie weiterer Akteure, das zurückhaltende, die Geschehnisse aber ins Licht rückende Bühnenbild von Matthias Strahm sowie die gut ineinandergefügten Szenen verstärken die Anregung zur Auseinandersetzung mit Verbrechen, Verschweigen und Widerstand, die das Vorarlberger Landestheater nach der Seligsprechung von Carl Lampert im Jahr 2011 nun bietet.” Christa Dietrich, APA, 19.1.2026




