Kann denn Siegen Sünde sein?
Die Sieben Todsünden und der Wille zum Erfolg
Diskussion mit Skisprung- und Trainerlegende Toni Innauer, Theaterintendant Ulrich Khuon, Philosoph Gunter Gebauer mit Jessica Sturmberg (Moderation)
Wir befinden uns in einer Hochphase bedeutender sportlicher Entscheidungen. Vor wenigen Wochen sind die Olympischen Winterspiele in Italien zu Ende gegangen.
Das Champions League Finale in Budapest wird mit Spannung erwartet. Die Fußball-Weltmeisterschaft, das größte Sportereignis dieser Jahre, beginnt im Juni – ein Wettkampf der Superlative: in drei Ländern mit 48 Mannschaften, so viele Nationen, Austragungsorte mit so vielen Zuschauern und so gewaltigen Entfernungen wie nie zuvor in der Geschichte des Sports. Und niemals stand so viel auf dem Spiel im Kampf um sportlichen, ökonomischen und politischen Erfolg. Triumphe entstehen bei dem Leistungsniveau der Kontrahenten oft aus hauchdünnen Vorteilen. Elektronische Messmethoden garantieren heute, dass minimale Differenzen über Sieg und Niederlage entscheiden. Fünf Hundertstelsekunden war der Vorsprung von Ariane Rädler und Katharina Huber bei ihrem Sieg in der Team-Kombination gegen die Konkurrentinnen aus Deutschland.
Einzig der Sieg zählt. Der Zweite ist der erste Verlierer. So lautet die bittere Maxime des Spitzensports heute. Die Akteure sind bereit, sich für den Sieg in höchste Gefahr zu bringen. Wie Lindsey Vonn. Sie hatte alle denkbaren Trophäen gewonnen. Aber dieser eine Sieg bei Olympia im Abfahrtsrennen, der fehlte ihr noch. Die Knieverletzung hinderte sie nicht, auf der schwierigen Piste gegen die Konkurrentinnen anzutreten. Nach 13 Sekunden war es vorbei.
Was man ehemals für Todsünden gehalten hat, die Gier zu gewinnen, die Aggression gegen die Konkurrenz, die Verachtung von Schwäche, gelten heute als Auszeichnung der Akteure des Spitzensports. Der sportliche Wettkampf, früher eine Domäne überlegener Könner, ist zu einer Arena des heroischen Siegeswillens geworden. Was ist der Preis des Erfolgs? Wer zahlt ihn?
Eine Veranstaltung der Stiftung SEMINARIUM „Lust am Dialog“ und des Vorarlberger Landestheaters, Bregenz