TRANSIT
Reto Finger nach dem Roman von Anna Seghers Inszenierung: Stephanie Gräve
Die Welt ist in Bewegung. Grenzen werden gezogen, verschoben, geschlossen. Menschen irren zwischen ihnen umher, gefangen im Dazwischen. In TRANSIT, Anna Seghers’ beklemmendem Roman über Flucht und das Gefühl des Verlorenseins, spiegelt sich ihre eigene existenzielle Erfahrung wider: ein Schwebezustand zwischen Aufbruch und Ankunft, zwischen Stillstand und Zuversicht.
Ein namenloser Erzähler gelangt auf der Flucht vor den Nationalsozialisten nach Marseille. Eine Stadt, die zum Sammelbecken all jener geworden ist, die hoffen: auf ein Schiff, ein Visum, eine Weiterreise. Doch der Wartesaal wird zum Labyrinth. Zwischen Botschaften, Papierstapeln und endlosen Behördengängen verlieren sich die Menschen nicht nur im bürokratischen Wahnsinn, sondern auch in ihren eigenen Geschichten. Jeder ist auf der Durchreise, alle sind unterwegs, und doch scheint niemand wirklich fortzukommen. Seghers‘ Marseille: das Abbild einer Welt, in der das persönliche Schicksal von Papieren abhängt, in der Identitäten flüchtig sind und jeder Neuanfang sich so lange verzögert, bis er sich schließlich als Illusion entpuppt.
Unsere Bühnenfassung von TRANSIT trägt Seghers’ Erzählung in eine Gegenwart, in der sich Menschen weiterhin auf der Suche nach Sicherheit und Zugehörigkeit zwischen Grenzen bewegen. Es geht um Flucht als existenziellen Zustand, um das Gefühl, in der Schwebe zu leben – ohne Vergangenheit, ohne Zukunft. Es geht um die Ungewissheit, das Festgesetztsein zwischen den Stationen eines Lebens, das sich nicht mehr selbstbestimmt steuern lässt. Die Stadt selbst wird zur Bühne eines absurden Schauspiels aus Hoffnungen und Enttäuschungen, Träumen und Realitäten.
Publikumsgespräch: So, 2. November, im Anschluss an die Vorstellung, T-Café (Eintritt frei)
*2:1-Aktion am Sa, 25. Oktober – Weil's zu zweit viel schöner ist! Ihre Begleitung hat freien Eintritt.
Download: Programmheft (PDF, Julia Benning)
Download: Begleitmaterial (PDF)
Audioeinführung von Julia Schotte (Dramaturgin)
Live-Musik: Marcello Girardelli / Martin Grabher / Oliver Rath / Inszenierung: Stephanie Gräve / Bühne*: Luisa Costales Pérez-Enciso / Stephanie Gräve / Kostüm: Luisa Costales Pérez-Enciso / Musik: Oliver Rath / Video: Sarah Mistura / Licht: Tom Barcal / Dramaturgie: Juliane Schotte / *Mit einem Element aus dem Bühnenbild der Produktion ERDBEBEN IN LONDON: Tatjana Kautsch
Matineegespräch
Premiere
Vorstellungen
Vormittagsvorstellung
Dauer
ca. 110 MinutenPressestimmen
"Das Ensemble agiert mit durchweg großer Intensität. Luzian Hirzel verkörpert Seidler mit stiller Verzweiflung. Er ist in jedem Moment zwischen Überlebensdrang und moralischem Zweifel hin- und hergerissen. Isabella Campestrini gestaltet Marie als Frau, die sich an eine längst verlorene Hoffnung klammert. Rolf Mautz glänzt in mehreren Rollen – Patronne, Kapellmeister, Achselroth – und bringt Witz, Härte und Eleganz in die Szenen. Josepha Yen ist als Clown eine berührende Erscheinung und bringt mit ihrer schönen, ausdrucksstarken Stimme Leichtigkeit in die Dunkelheit des Abends. Nurettin Kalfa und David Kopp ergänzen das Ensemble mit präziser Präsenz." Andreas Marte, VN, 9.10.25
"Ein Video setzt mit den sanften Wogen der trügerisch schönen See gleich am Anfang den Ton. Meisterhaft unterstreichen die Musiker Marcello Girardelli, Martin Grabher und Oliver Rath dieses spannungsgeladene Bild. Man spürt, Gefahr droht, aber auch das Drohende ist gefährlich. [...] Zwischen Konsulat und Kaffeehaus entfaltet sich eine Geschichte, die gerade in ihren kafkaesken Momenten realistisch ist. Erst gibt sich Seidler als Weidel aus, doch rasch verliebt er sich in die Frau des Toten. Marie (Isabella Campestrini) ist aber in einer Beziehung mit einem Arzt (Nurettin Kalfa) und will ohne ihren am Leben geglaubten Mann nicht fliehen. David Kopp und Gastschauspieler Rolf Mautz ergänzen das Beziehungsspiel in diversen humorvoll-tragischen Rollen, etwa als homosexuelles Paar. Über allem steht Josepha Yen, die in der Rolle des Clowns nicht in die Handlung eingreift." Sebastian Vetter, NEUE, 7.10.25




