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Editorial

NEUE FRAGEN, ALTE FRAGEN

„Wir müssen mal über Chauvinismus reden,“ sagte Johannes Lepper, Regisseur von KÖNIG OTTOKAR. „Wie mit den Zuschreibungen bei Grillparzer umzugehen ist, die sich auf die Nationalität beziehen: der Böhme und Ungar sind so, der Deutsche und Österreicher hingegen anders, natürlich besser...“ Eine berechtigte Frage: was bedeutet es heute, die berühmteste Passage des Stücks zu sprechen, jene Sätze, mit denen die Österreicher ihr Land dem deutschen Kaiser Rudolf von Habsburg antragen?

Allein, was not tut und was Gott gefällt, / Der klare Blick, der offne, richt‘ge Sinn, / Da tritt der Österreicher hin vor jeden, /Denkt sich sein Teil und läßt die andern reden! / O gutes Land! o Vaterland! Inmitten / Dem Kind Italien und dem Manne Deutschland, / Liegst du, der wangenrote Jüngling, da: / Erhalte Gott dir deinen Jugendsinn / Und mache gut, was andere verdarben!

Der Umgang mit Sätzen wie diesen wäre noch vor wenigen Jahren einfacher gewesen. Als wir uns sicher waren: all das ist Vergangenheit, die wir getrost belächeln oder, wo das Nationalgefühl ins Negative, ins Ausschließende umschlug, verachten können. Nur ist es heute nicht mehr so. Es sind Aussagen, Ausgrenzungen salonfähig geworden, die wir uns noch zur Jahrtausendwende nicht hätten vorstellen können. Es scheint, wir müssen mal über Chauvinismus reden.

Das tut auf andere Art Fritz Hochwälder, ein zweiter österreichischer Autor, dessen Stück im Mai zur Premiere kommt. Hochwälder, ein Linker jüdischer Herkunft, war 1938 von Wien über Vorarlberg in die Schweiz geflohen; sein Kammerspiel DER FLÜCHTLING verlegt er an eine nicht näher bestimmte Grenze, und er fragt anhand der Dreierkonstellation Flüchtling/Grenzwächter/Ehefrau nach der Verantwortung gegenüber denen, die bei uns Schutz vor Verfolgung suchen.

Diese Frage hat sich der St. Galler Polizeihauptmann Paul Grüninger wiederum nicht groß stellen müssen; er hat gehandelt, hat zur NS-Zeit jüdische Flüchtlinge über die Grenze in die Schweiz gerettet, mit schlimmen Folgen für seine eigene Existenz. Auf ihn, oder seinen schauspielerischen Wiedergänger, kann man in DIORAMA BREGENZ :: DER LETZTE MENSCH treffen, und auf die Lustenauer Künstlerin Stephanie Hollenstein, die sich irgendwann der nationalsozialistischen Ideologie verschrieben hat. Ein guter Kontrast – und ein ungewöhnliches und intensives Projekt, denn das Publikum hat hier Einzelbegegnungen mit den Darsteller*innen. Sichern Sie sich Ihre Karte!