Kartenbüro
Montag bis Freitag 8.30 bis 12.30 Uhr
sowie Freitag 13.30 bis 17.30 Uhr

Kornmarktplatz
A 6900 Bregenz
T +43 (0)5574 42 870–600
ticket@landestheater.org

ABENDKASSA
Ab zwei Stunden telefonisch
erreichbar und eine Stunde vor
Vorstellungsbeginn vor Ort:
T +43 (0)5574 42 870–600

Rund und um die Uhr Karten kaufen:
Hier geht‘s zum Online-Kartenverkauf!

EINFACH UND MOBIL
Die Ticket-Gretchen App gleich
hier kostenlos downloaden!
Vorarlberger Landestheater Vorarlberger Landestheater

Editorial

LAUTER VERNÜNFTIGE LEUTE?

Dieser Tage wird viel und aufgeregt verhandelt in Europa - London und Brüssel ringen um den Brexit-Deal, nachdem eine knappe Mehrheit der Briten im Referendum für den EU-Austritt gestimmt hat. Derweil ringen Bern und Brüssel um ein neues Rahmenabkommen, das die Annahme der von der SVP lancierten Volksabstimmung zur „Masseneinwanderung“ notwendig gemacht hat, die ebenfalls nur mit recht knapper Mehrheit angenommen wurde. Lauter vernünftige Leute?!
Eine beachtliche Mehrheit hingegen sprach sich im Jahr 1919 in Vorarlberg für Beitrittsverhandlungen mit der Schweiz aus; hier jedoch verlief das Ganze gleich komplett im Sande: die Schweiz wollte Vorarlberg nicht; zumindest hat man sich langwierige Verhandlungen erspart.

Es sind unruhige Zeiten, in denen wir leben – Gewissheiten, die wir am Ende des 20. Jahrhunderts zu haben glaubten, zum Beispiel, dass Europa immer enger zusammenwachsen wird, sind mehr als erschüttert. Von Nationalstaaten, von nationaler Identität ist zunehmend wieder die Rede, von Abgrenzung statt von Gemeinschaft. Eine Besorgnis erregende Entwicklung, und es lohnt sich, einen Blick zurück in die Geschichte zu werfen – mit Hilfe eines literarischen Gedankenspiels: was wäre gewesen, wenn ... die Schweiz damals Vorarlberg angenommen hätte?! Wie hätten sich „lauter vernünftige Leute“ im weiteren Fortgang der Geschichte verhalten?! Und wie würden heutige Vorarlberger*innen auf „die Verunsicherung“ reagieren, wenn ein geheimnisvoller Landvermesser auftauchte?!

Fragen, die auch auf unsere Gegenwart und Zukunft zielen – eine Zukunft, die uns als gesichert friedlich erschien, zumindest in Europa. Diese Gewissheit ist ebenfalls ins Wanken geraten, plötzlich sind nationalstaatliche Konflikte wieder vorstellbar, und mit Schrecken erinnern wir uns an die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, als zwei verheerende Kriege in Europa ihren Anfang nahmen und Welt und Zeit aus den Fugen brachten.

Die Verwerfungen dieser Jahre zeigen sich auch in der Kunst und in den privaten Beziehungen, zum Beispiel im emotionalen Dreieck zwischen Ingeborg Bachmann, Paul Celan und Max Frisch. „Die Welt des Glücklichen ist eine andere als die des Unglücklichen,“ schreibt Wittgenstein – und so sind es höchst unterschiedliche Welten, die in diesen Begegnungen aufeinanderprallen. Unterschiedliche Welten und Zeiten, und es ist den drei Protagonist*innen dieser biographisch-literarischen Recherche letztlich nicht vergönnt gewesen, sie übereins zu bringen. Es blieben collagierte Zeiten.

Stephanie Gräve