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DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE

Bertolt Brecht Inszenierung: Bérénice Hebenstreit

Als Brecht 1929/30 seine HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE – inspiriert von Upton Sinclairs Roman DER DSCHUNGEL und unter der Mitwirkung von von Hans Hermann Borchardt, Emil Burri und Elisabeth Hauptmann – verfasste, stand er ganz unter dem Eindruck des New Yorker Börsencrashs, der sich anschließenden Weltwirtschaftskrise und der verheerenden Folgen, die der Zusammenbruch der Märkte für die Menschen, besonders aber für die Arbeiterklasse hatte.

Drei Jahrzehnte später wurde das Drama schließlich in der Inszenierung von Gustaf Gründgens erstmalig auf einer Bühne gezeigt. Damals konstatierte Theaterkritiker Johannes Jacobi in DIE ZEIT: Dieses „Zeitstück“ sei tot, veraltet der politische Gehalt, das geschilderte Elend gebe es nicht mehr. Glückliche Wirtschaftswunderzeit.

Und heute? Spätestens seit im Laufe der Coronapandemie eine Masseninfektion eher zufällig die katastrophalen Arbeitsbedingungen in einem der größten Betriebe – ausgerechnet! – der Fleischverarbeitungsindustrie Europas in den öffentlichen Blickpunkt rückte, müssen wir fassungslos feststellen: Nichts an Brechts Text ist tot. Nichts daran ist veraltet. Und das Elend ist wieder, ist immer noch da. Entwürdigende Abhängigkeitsgefüge. Moderne Lohnsklaverei. Und wenn Brecht seinen Mauler Mitleid mit dem armen Schlachtvieh heucheln lässt, während er in Wahrheit mit seinem Handeln rein wirtschaftlichem Kalkül folgt, erkennen wir in diesem hundert Jahre alten Stück schon die perfide Mechanik des Greenwashings, mit dem sich Unternehmen aktuell gerne einen verantwortungsbewussten, nachhaltigen Anstrich verleihen.

Natürlich ist das Territorium, auf dem wir uns mit dem Stoff bewegen, aber ohnehin viel größer: Wie die scheiternde Heldin Johanna Dark sehen wir uns mit den Fragen danach konfrontiert, ob man die Krumen vom Tisch des Feindes essen soll, ob der Zweck die Mittel heiligt und wie weit Kompromissbereitschaft im Kampf um Veränderung zum Besseren überhaupt führen kann.

 

 

Mit Vivienne Causemann  / Luzian Hirzel  / Maria Lisa Huber  / Sebastian Klein  / David Kopp  / Nico Raschner  / Jürgen Sarkiss
Inszenierung: Bérénice Hebenstreit  / Bühne und Kostüm: Mira König  / Musik: Gilbert Handler  / Licht: Arndt Rössler  / Konzeptionelle Mitarbeit: Lisa Mittendrein  / Dramaturgie: Ralph Blase

Premiere

Sa, 17.09.2022, 19.30 Uhr

Vorstellungen

Di, 20.09.2022, 19.30 Uhr
Sa, 24.09.2022, 19.30 Uhr
Fr, 30.09.2022, 19.30 Uhr
So, 16.10.2022, 17.00 Uhr
Mi, 19.10.2022, 19.30 Uhr


 

2:1-Aktion am Sa, 24. September – Weil’s zu zweit viel schöner ist! Ihre Begleitung hat an diesem Tag freien Eintritt.